Ludwig Museum - Memory Traces
Erscheinungsdatum: März 2010
Noch bis zum 21. März zeigt das Ludwig Museum im Deutschherrenhaus Koblenz die Ausstellung MEMORY TRACES – Zeitgenössische Kunst aus Finnland. Mit dem Fokus auf die finnische Kunst knüpft das Ludwig Museum an die Ausstellung des Jahres 2007 an, in der die drei finnischen Fotografinnen Aino Kannisto, Eva Persson und Tiina Itkonen mit jüngsten Arbeiten erstmals in dieser Konstellation vorgestellt wurden.
Das Projekt „Memory Traces“ ist ein herausragendes Ausstellungsvorhaben, das es modellhaft ermöglicht, finnische Kultur nach Deutschland zu bringen. Es spiegelt zugleich die Vielfalt der künstlerischen Ausdrucksarten in der zeitgenössischen Kunst Finnlands – zu einem Zeitpunkt, zu dem das Land mehr und mehr zu einem europäischen Zentrum für zeitgenössische Kunst avanciert.
An der Ausstellung „Memory Traces“ beteiligen sich 15 Künstlerinnen und Künstler, die sich zu diesem Projekt zusammen geschlossen haben: Allen Künstlern geht es um eine sehr individuelle Suche nach den eigenen Erinnerungen, die zurückreichen kann bis in die Kindheit. Im Zuge einer immer unpersönlicher werdenden Welt und gleichzeitiger Intensivierung der eigenen Wahrnehmung spüren die Künstler vor dem Hintergrund ihrer eigenen Erinnerungen den Erfahrungen des Individuums nach und leiten den Zuschauer in die „Labyrinthe” des Erinnerns und Erlebens. Sie bringen mit den verschiedenen Dimensionen zu diesem Thema dessen Facettenreichtum zum Ausdruck. Dabei bedienen sie sich höchst eigenwilliger (Stil-)Mittel, die in ihren sehr unterschiedlichen Arbeiten zum Tragen kommen. Zu sehen sind im Besonderen Werke aus den Bereichen Malerei, Skulptur, Objektkunst, Video, Installation, Fotografie und Zeichnung. Bei „Memory Traces” geht es um Spuren der Erinnerung: Das Gedächtnis besitzt die Fähigkeit, Erlebnisse zu bewahren und diese zu einem späteren Zeitpunkt wieder ins Bewusstsein zurückzurufen. Das Verhältnis zwischen Gedächtnis und Erlebnis ist jedoch nicht eindeutig, da sich das Gedächtnis den Bedingungen seiner Zeit und Umgebung anpasst und seine Welt immer wieder neu erschafft.
In einem umfassenden Festival wird auch auf die musikalische Seite Finnlands eingegangen, und das in zweierlei Form: Zum einen kommen bekannte finnische Komponisten wie Sibelius zur Aufführung, zum anderen sind finnische Musiker zu Gast (Überschneidungen eingeschlossen).
Jean Sibelius(1865-1957) dürfte der bekannteste finnische Komponist sein. Das Konzert des Ensemble Resonance konzentriert sich auf das frühe Werk des Komponisten: „Wassertropfen“ für Violine und Cello / Trio g-Moll für Violine, Viola und Violoncello: Lento / Suite E-Dur für Violine und Klavier: Allegro molto moderato, Allegro, Piu lento quasi andantino, Allegro brillante Quartett c-Moll für Klavier, zwei Violinen: Introduktion – Adagio und Violoncello, Thema mit Variationen – Andantino / Duo C-Dur für Violine und Viola: Comodo / Trio C-Dur „Lovisa“ für Klavier, Violine und Violoncello: Allegro, Andante, Allegro con brio. (6. März, 17.00 Uhr)
Uljas Pulkkis (Jahrgang 1975) ist der bekannteste zeitgenössische finnische Komponist. Eine Auswahl seines Schaffens samt einer Uraufführung wird im Konzert des Akkordeon-Spielers Janne Rättyä zu hören sen. Außerdem wird der Abend durch Werke von Frescobaldi, Fiori Musicali und Johann Sebastian Bach abgerundet. (7. März, 19.30 Uhr)
Noch jünger sind die Akteure des nächsten Konzerts: In der Kammerphilharmonie am Landesmusikgymnasium Rheinland-Pfalz spielen die fortgeschrittenen Streicher. Das Ensemble wird regelmäßig zu größerer Besetzung aufgestockt und arbeitet immer häufiger auch symphonisch. Passend zu dem Festival finnischer Musik bekommen sie Unterstützung von einem jungen Ausnahmekünstler: Pirkka Sippola (Jahrgang 1996) begann im Alter von fünf Jahren mit dem Klavier- und Geigespiel in den Musikschulen von Helsinki. Zurzeit erhält er in der Jugendabteilung der Sibelius-Akademie Klavierunterricht bei Hui-Yin Liu-Tawastsjerna und Geigenunterricht bei Seppo Tukiainen. Gemeinsam werden sie Werke von Jean Sibelius, Georg Friedrich Händel, Franz Liszt und Wolfgang Amadeus Mozart spielen (11. März, 19:30 Uhr, Mons-Tabor-Gymnasium, Montabaur)
Auch die Pianistin Visa Sippola war Schülerin der Sibelius-Akademie, und bei ihrem Konzert gemeinsam mit dem Sinfonieorchester der Musikschule der Stadt Koblenz werden natürlich auch wieder Werke des großen finnischen Komponisten zur Aufführung kommen. Dem gehören dem Sinfonieorchester der Musikschule der Stadt Koblenz gehören etwa fünfzig junge Musiker an. Die Streicher und Bläser sind in erster Linie Schüler der Musikschule der Stadt Koblenz, die an ein anspruchsvolles Repertoire herangeführt werden. Als weitere Solistin gesellt sich Anna Rechbauer an der Oboe zu dem Ensemble. (14. März, 16.00 Uhr, Görreshaus, Koblenz)
Die Karriere der finnischen Pianistin Terhi Dostal startete 1994 mit einer Aufführung als Solistin mit dem Petersburger Kirov Orchestra unter Valery Gergiev. Der Schwerpunkt ihres Spiels liegt auf der Interpretation der Klaviermusik von Johannes Brahms. So hat sie in einer Konzertreihe von 2004 bis 2009 sämtliche Klavierkompositionen von Johannes Brahms einem breiten Publikum vorgestellt. In ihrer Dissertation erforscht sie die literarischen Vorlieben des jungen Brahms. Im Konzert stellt sie von Brahms Variationen über ein eigenes Thema Op. 21/1; Variationen über ein ungarisches Lied Op. 21/2; Variationen und Fuge über ein Thema von Georg Friedrich Händel, Op. 24. vor. Außerdem spielt sie von Sibelius Romanze Op. 24/9 sowie Finlandia Op. 26. (16. März, 19.30 Uhr)
Das finnische Nationalinstrument ist die Kantele. Sie erinnert ein wenig an die Zither, und kann ebenso wie diese auf dem Tisch liegend oder gehalten gespielt werden. Timo Väänänen ist ein Meister auf diesem Instrument. Gegenwärtig arbeitet er an der Sibelius-Akademie in der Volksmusikabteilung als verantwortlicher Lehrer für Kantele, Improvisation und freie Musikbegleitung und ist Chefredakteur der Kantele-Zeitung. (20. März, 19.30 Uhr)
Neben Bild und Musik werden widmet man sich Finnland auch in der Literatur. Dabei wird sowohl für Erwachsene als auch für Kinder etwas geboten.
Robert Åsbacka, 1961 in Finnland geboren, lebt heute in Schweden. Einen Tag vor seiner Buchvorstellung und Lesung auf der Leipziger Buchmesse findet im Ludwig Museum statt: „Das zerbrechliche Leben“ ist sein dritter Roman und seine erste Veröffentlichung auf Deutsch. Seit seine Frau Siri vor vielen Jahren beim Untergang der Estonia ums Leben kam, ist Thomasson ein Eigenbrötler geworden. Über den Erinnerungen an Glück und Schuld in seinem früheren Leben hat er den Umgang mit anderen Menschen fast verlernt. Bis er eines Tages zufällig miterlebt, wie ein kleiner Junge von Gleichaltrigen gemobbt und ins kalte Wasser gejagt wird. Thomasson greift ein, hilft dem Jungen - und tritt damit endlich wieder in Kontakt mit der Welt. So auch mit seiner jungen Nachbarin Agnes. Ein vielschichtiger Roman über die Zerbrechlichkeit der menschlichen Existenz, über Liebe und Alter und über die Rolle, die Musik und Literatur dabei spielen können.
Die Lesung findet auf Schwedisch und Deutsch statt, den deutschen Teil übernimmt dabei Paul Berf. (17. März, 18.00 Uhr)
Elina Kritzokat aus Berlin hat das soeben im Thienemann Verlag erschienene Buch „Tatu und Patu und ihre verrückten Maschinen“ der Autoren Aino Havukainen und Sami Toivonen aus dem Finnischen übersetzt und liest daraus vor: Die Brüder Tatu und Patu sind geniale Tüftler. Sie bauen vierzehn seltsame, aber unglaublich nützliche Maschinen, ohne die eine Familie mit Kindern nicht auskommen kann. Wer verzichtet schon gern auf die Guten-Morgen-Maschine, den Pfützenautomaten, den Ekelzutaten-Entferner oder den Gespenstervertreiber? Bei dem „Guten-Morgen-Automaten” etwa werden Tatu und Patu geweckt, gewaschen, gefüttert und angekleidet. Den „Ekelessen-Entferner” schnallen sich die kreativen Knaben beim Pizzaessen vors Gesicht, damit Oliven, Anchovis oder Paprikastreifen auf dem Weg in den Mund beseitigt werden.
Im Anschluss an die Lesung für Kinder können die phantasievollen, erfindungsreichen und verrückten Geschichten im Workshop von Museumspädagogin Ute Hofmann-Gill kreativ umgesetzt und weitergesponnen.
werden! (13. März, 15.00 bis 17.00 Uhr)
Soweit nicht anders angegeben, finden die Veranstaltungen im Ludwig Museum statt.
www.ludwigmuseum.org
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