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With a big help from his friends: JOE COCKER

Erscheinungsdatum: September 2010

 

Eine verrauchte Bar: Ein paar Gestalten der Nacht, vermutlich zumeist Gestrandete und einsame Herzen, haben bis zum Morgengrauen ausgeharrt und dem Spiel des Pianisten gelauscht. Die Tür geht auf, das erste Sonnenlicht fällt in die Kaschemme. Einige Musiker mit Instrumenten treten in den Raum, ein Mann tritt an den Pianisten heran und verlangt einen Song:



„Unchain my heart“. Er werde spielen, aber nicht singen, antwortet der Tastenmann. Man kann das so deuten: Von diesem Lied hat Ray Charles bereits die definitive Version geliefert, alle anderen Versuche, das Stück zu interpretieren, können nur schlechter sein, sind zum Scheitern verurteilt. „You don’t have to sing, just play“, entgegnet der Fremde. 

Der Pianist greift in die Tasten, schlägt den dramatischen ersten Akkord an – und dann erklingt die Stimme von Joe Cocker, einer der wenigen Sänger, die bei diesem Meister-stück Ray Charles das Wasser reichen können, und singt die neue definitive Version von „Unchain my heart“.
Die Botschaft des Musikvideos ist klar: Joe Cocker setzt Maßstäbe. Für ihn wurde die Vokabel „Reibeisenstimme“ erfunden. Er kann sich jedes Liedes annehmen und es zu seinem eigenen machen: Bereits seine erste erfolgreiche Single beschritt diesen Weg: „With a little help fromm my friends“ von 1968 sticht das Original der Beatles glatt aus – und das will etwas heißen. Legendär ist Auftritt bei Woodstock im folgenden Jahr, bei dem er seine berühmt gewordene Art der „Bühnenshow“ das erste Mal einem wirklich großen Publikum vorstellte, jenes unbeholfen wirkende Luftgitarre-spielen. 
Weniger bekannt ist, dass die Band damals stets zwischen zwei Liedern ein Bier kippte, was natürlich nicht lange gut ging (legen wir den Mantel der Verschwiegenheit über den Rest des Auftritts).
Auch andere seiner größten Hits sind Veredelungen von an sich schon sehr berühmten Originalen: „The Letter“ (1972, auf „Maddogs and Englishmen“) oder „You can leave your hat on“ (1982; auf „Cocker“ und dem Soundtrack zu 9 ½ Wochen), um nur einige zu nennen. Andere unsterbliche Hits wie „You are so beautiful“ oder „Sail away“ wurden praktisch ausschließlich von ihm berühmt gemacht (ersteres wohl eines der beliebtesten Stücke bei Hochzeiten, letzteres jahrelang prominent in einer Bierwerbung eingesetzt).
So gehört Joe Cocker, trotz seinem zeitweise etwas ambi-valenten Verhältnisses zum Alkohol, seit über 40 Jahren zu einem der ganz großen im Showgeschäft. Seine Konzerte sind zum einen natürlich – im besten Sinne – Oldie-Shows, schließlich will man auf die Evergreens der letzten Dekaden nicht verzichten. 
Aber er legt auch immer wieder neue Hits nach und erweitert so sein „Pflichtprogramm“ kontinuierlich, etwa mit „Summer in the city“ oder „The simple things“. Er ruht sich nicht auf seinen Lorbeeren aus (was sicherlich auch sehr komfortabel wäre und man im gönnen würde), sondern will es immer wieder neu wissen. Dabei weiß er sich selbst aber bestens einzuschätzen, weiß, dass er in den Charts mit Musikern konkurrieren muss, die seine Enkel sein könnten. 

Für das neue Album „Hard Knock“ hat er sich darum vom Star-Produzenten Matt Serletic (Matchbox 20, Santana) einen Sound verpassen lassen, der modern sein sollte, „aber nicht zu modern“, wie er selbst etwas schmunzelnd eingesteht. Radikale Stilwechsel sind von Joe Cocker nicht zu erwarten, will man auch gar nicht. Es sei, so der Meister selbst, eines der poppigsten Alben seiner Karriere, wohl auch ein wenig in Abgrenzung zu der letzten Platte „Hymns for my soul“, das stärker seine Soul- und Gospelvorlieben in den Vordergrund stellte. Cocker scheint für sein 21. Studioalbum aus dem Vollen geschöpft haben zu können. So versicherte er sich der Zusammenarbeit mit Pianolegende Tony Brown, der auch schon für Elvis in die Tasten gegriffen hatte. Zusammen mit diesem Nashville-Altmeister nahm er zwei Stücke auf, aber nur eines, „I hope“ wurde dann für das Album verwendet. Andere Künstler wären vielleicht froh, so viel erstklassisches Material zu haben und würden alles veröffentlichen, Cocker kann es sich aussuchen. Das Stück ist gleichzeitig die einzige Coverversion des neuen Albums, die Vorlage stammt von den Dixie Chicks, den sexy Nashville-Rebellen. Die restlichen neun Songs sind Cocker-Originale, das heißt sie wurden für ihn geschrieben (Cocker selbst macht keinen Hehl daraus, dass er ein Interpret ist, und kein Songwriter). Schon jetzt sind er und seine Band gespannt, wie sich die neuen Songs neben den großen Hits behaupten. Und als Zuschauer kann man sich zweierlei sicher sein: An bekannten Hits wird nicht gespart, und solche Eskapaden wie vor über 40 Jahren bei Woodstock gehören der Vergangenheit an.

www.rockhal.lu


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